40 Pfennig
Numero 2135
Ausgabe vom Sonntag, den 26. März 2017

Neujahrsansprache des Professors

Von Professor Xanathon

Wir bitte um Ver­zei­hung, falls die Neu­jahrs­an­spra­che auf man­chen Pla­ne­ten des Son­nen­sys­tems bedingt durch die Zeit­ver­schie­bun­gen der Æther-Raum­fahrt erst ver­spä­tet erscheint. :o)

Ich möchte den Jah­res­wech­sel zum Anlass neh­men, ein­mal ein wenig über das Pro­jekt »Steam­punk-Chro­ni­ken« zu reflek­tie­ren und eine Bestands­auf­nahme vor­zu­neh­men.

Mitte Novem­ber erschien der erste Band zum Down­load hier auf der Seite, bei Beam-eBooks und kurz dar­auf auch bei Ama­zon. Die Down­load­zah­len außer­halb von Ama­zon sind beein­dru­ckend, wir haben inzwi­schen einen Down­load­count von 3100 Exem­pla­ren über­schrit­ten, um Weih­nach­ten herum kam es noch ein­mal zu einem klei­nen Boom, wahr­schein­lich aus­ge­löst durch die unter dem Baum vor­ge­fun­de­nen eRe­a­der. Um mal einen Ver­gleich zu bie­ten: KiWi hat von Schät­zings Best­sel­ler »Der Schwarm« ins­ge­samt gerade mal 7000 eBooks ver­kauft (Quelle: Heise), da halte ich die 3000 her­un­ter gela­de­nen Exem­plare der »Chro­ni­ken« inner­halb von andert­halb Mona­ten für eine mehr als erst­klas­sige Zahl. Wobei selbst­ver­ständ­lich völ­lig unklar ist, wie oft das eBook an Dritte, also an Freunde und Bekannte, wei­ter gege­ben wurde; im »Umlauf« wer­den wahr­schein­lich noch deut­lich mehr Exem­plare sein.

Die­ser Teil des Expe­ri­ments, also ein eBook auf pro­fes­sio­nel­lem Niveau mit her­aus­ra­gen­den Geschich­ten zu ver­öf­fent­li­chen war also mehr als erfolg­reich und hat gran­dios funk­tio­niert. Die Rück­mel­dun­gen, die mich pri­vat und über die bekann­ten offe­nen Kanäle (bei­spiels­weise diese Web­seite und Face­book) erreich­ten, sind fast durch die Bank weg äußerst posi­tiv, gerade eben gab es die erst fünf-Sterne Rezen­sion einer Lese­rin bei Ama­zon.

Dafür muss ein ande­rer Teil des Expe­ri­ments defi­ni­tiv als geschei­tert gel­ten. Meine Ansicht, dass für ein kos­ten­los zur Ver­fü­gung gestell­tes eBook auch ein frei­wil­li­ger Obo­lus gezahlt wird, war offen­sicht­lich fal­sch und was ins­be­son­dere in eng­lisch­spra­chi­gen Län­dern und im Zusam­men­hang bei­spiels­weise mit Soft­ware groß­ar­tig funk­tio­niert, klappt hier­zu­lande wohl nicht. Via Pay­Pal sind gerade mal zwölf Spen­den ein­ge­gan­gen, zwei kamen direkt aufs Bank­konto und eine ging via Bit­coin ein (zirka 20 Exem­plare wur­den dar­über hin­aus bis­lang via Ama­zon abge­setzt, das ist des­we­gen eine unge­fähre Angabe, da man Kindle-eBooks auch zurück geben kann, des­we­gen kann die genaue Zahl hier fluk­tu­ie­ren).
Der resul­tie­rende Betrag deckt im Prin­zip nicht mal die Kos­ten fürs Web­sei­ten­hos­ting und schon mal lange nicht die für den betrie­be­nen Auf­wand.

Ich möchte mich an die­ser Stelle bei allen Spen­dern, die das Pro­jekt mit einem Betrag unter­stützt haben, ganz herz­lich aus­drück­lich bedan­ken!

Die geringe Spen­den­be­reit­schaft ist natür­lich äußerst bedau­er­lich und ich muss mir über­le­gen, wie ich das Pro­jekt fort­führe. Ganz klar ist, dass der »Band eins­punkt­fünf« mit wei­te­ren Æther-Raum­fahrt-Geschich­ten auf jeden Fall erschei­nen wird. Ich werde aller­dings weni­ger Zeit dar­auf ver­wen­den kön­nen, als auf Band eins »Æther­garn«, das bedeu­tet, es wird alles etwas län­ger dau­ern.

Wie Cap­tain Sere­nus im Clock­wor­ker bereits völ­lig kor­rekt anmerkte, han­delt es sich bei den »Steam­punk-Chro­ni­ken« um ein Pio­nier­pro­jekt. Bei Pio­nier­ta­ten muss man jedoch immer mit Rück­schlä­gen rech­nen und sollte sich von die­sen nicht allzu sehr aus dem Kon­zept brin­gen las­sen. Ich glaube nach wie vor an die Idee hin­ter den Steam­punk-Chro­ni­ken und bin noch nicht gewillt, ein­fach so auf­zu­ge­ben, nur weil ein Mars­sturm den fri­sch errich­te­ten Æther­ha­fen ein klein wenig ver­wüs­tet hat. Bevor ich das vir­tu­elle Hand­tuch hin­werfe, warte ich lie­ber noch ein wenig ab und gebe dem Pro­jekt etwas mehr Zeit, um ins Bewusst­sein der poten­ti­el­len Leser ein­zu­si­ckern.

Ich denke dar­über nach, die wei­te­ren Bände viel­leicht nicht mehr kos­ten­los anzu­bie­ten, son­dern gleich gegen einen gerin­gen Obo­lus, aber selbst­ver­ständ­lich wei­ter­hin ohne jeg­li­che DRM-Maß­nah­men. Oder aber ich werde erneut so ver­fah­ren, wie beim ers­ten Band – viel­leicht tru­deln ja auch noch Spen­den ein. Wir wer­den es gemein­sam her­aus fin­den.

Bild: „Steam­punk Robot Girl“ Copy­right Inno­vari – fotolia.com

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13 Kommentare

  1. Na, das ist ja mal eine ernüch­ternde Bilanz. Ca. 1% Bezah­ler­quote ist ja schon fast ein Armuts­zeug­nis. Schade, schade. Aber schön, dass du dich nicht völ­lig ent­mu­ti­gen lässt. Ich drü­cke die Dau­men für die Zukunft

  2. A. Peter sagt:

    Schade, dass die Spen­den­ak­tion geschei­tert ist. Ich war einer der Spen­der und werde auch für die Chro­ni­ken 1.5 Spen­den, sobald sie her­aus­ge­ge­ben sind.

    Es zeigt, dass meine Ein­schät­zung lei­der kor­rekt ist: In Deutsch­land sind nur noch Wenige bereit, den Wert einer Leis­tung ein­zu­schät­zen und die­sen Wert ent­spre­chend zu ver­gü­ten.

    • Professor Xanathon sagt:

      Hm, ich weiß nicht. Ich hoffe ja immer noch, dass diese Art der Ver­gü­tung noch zu neu ist und bei uns noch nicht rich­tig ins Bewusst­sein ein­ge­si­ckert ist. Alle „digi­tal Nati­ves“, die ich kenne, nut­zen Free­ware und zah­len auch dafür – wahr­schein­lich ist das Kon­zept beim „nor­ma­len“ Inter­net­nut­zer, der seit Jah­ren mit „Geiz ist geil!“ bom­bar­diert wird, noch nicht ange­kom­men. Ich hoffe, dass das noch wird.

      Ich denke im Moment dar­über nach, wie ich mich bei den Spen­dern kon­kret bedan­ken kann. Eine Mög­lich­keit, die mir ein­ge­fal­len ist, könnte sein, dass sie den nächs­ten Band deut­lich vor den ande­ren Lesern erhal­ten wer­den.

      • A. Peter sagt:

        Ich hoffe ja so, dass Sie recht haben, und das Kon­zep des frei­wil­li­gen zah­lens in Deutsch­land ein­fach noch zu neu ist. Ande­rer­seits sind die Spen­den­but­tons ja deut­lich genug ange­bracht und in die­ser digi­ta­len Zeit ist dank Pay­Pal eine Spende inner­halb von einer Minute getä­tigt.

        Aber was nicht ist kann ja noch wer­den. Ich werde im eRe­a­der-Forum mal was zu dem Thema schrei­ben. Viel­leicht fin­den sich ja noch ein paar Spen­der.

        • Professor Xanathon sagt:

          Pay­Pal ist Teil des Pro­blems, nicht Teil der Lösung. Was die in Sachen unbe­rech­tigte Kon­to­sper­run­gen und man­gel­haf­tem Sup­port abzie­hen (siehe ein­schlä­gige Mel­dun­gen auf Heise und Co.) geht auf keine Kuh­haut. Von der Num­mer, ein US-Embargo gegen Kuba hier­zu­lande durch­set­zen zu wol­len mal ganz abge­se­hen. Es ist in höchs­tem Maße bedau­er­lich, dass es keine ähn­lich kom­for­ta­bel zu nut­zende Micro­pay­ment-Alter­na­tive gibt und auch keine am Hori­zont ist (ich weiß näm­lich auch nicht wirk­lich, ob Goo­gle Wal­let eine erstre­bens­werte Alter­na­tive wäre).

          Was ich damit sagen will ist, dass ich ver­ste­hen kann, wenn es Per­so­nen gibt, die Pay­Pal nicht nut­zen möch­ten.

          • Da ist durch­aus was dran. Abge­se­hen davon, dass ich mit Pay­pal gerade große tech­ni­sche Pro­bleme habe.
            Des­we­gen habe ich auch gewar­tet, bis das Æether­garn bei Ama­zon ver­füg­bar war, um es dort zu kau­fen. Das ist halt beque­mer, als es run­ter­zu­la­den, manu­ell zum Kindle zu schi­cken und mir dann noch Gedan­ken übers Spen­den machen zu müs­sen.
            Ich kann mir vor­stel­len, dass es auch ande­ren Leu­ten so geht, dass es gar nicht der Euro für das Buch ist, der das Spen­den ver­hin­dert, son­dern der zusätz­li­che Auf­wand. Im Prin­zip müsste gleich beim Down­load die Frage kom­men: „Wie viel möch­test du zah­len?“, dann gibt man eine Zahl ein und fer­tig. Dann wäre die Zah­lungs­be­reit­schaft mei­ner Mei­nung nach sicher­lich höher. Aber dafür gibt es ja lei­der noch keine (sicher­heits- und datenschutz-)technische Lösung.

          • Professor Xanathon sagt:

            Via Pay­Pal wäre das tech­ni­sch rea­li­sier­bar, bei ande­ren Zah­lungs­me­tho­den würde die Ein­rich­tung einer Schnitt­stelle über einen ent­spre­chen­den Dienst­leis­ter schon nicht wenig Geld kos­ten. Das würde aller­dings das Kon­zept der „frei­wil­li­gen Spende“ kon­ter­ka­rie­ren.

  3. Michael Bloch sagt:

    Die Frage ist natür­lich wie die Down­load­zah­len aus­se­hen wür­den, wenn es nicht kos­ten­los ange­bo­ten würde. Ich bin stark der Mei­nung, dass viele sich ein kos­ten­lo­ses eBook ein­fach mal „zur Ansicht“ her­un­ter Laden und weni­ger eine ernst­hafte Absicht haben, es zu lesen.

    • Professor Xanathon sagt:

      Das ist genau das: eine Mei­nung. Ich gehe eben­falls davon aus, dass Per­so­nen das tun, dass es „viele“ sind ist aller­dings eine reine Ver­mu­tung.

  4. Professor Xanathon sagt:

    Noch drei Anmer­kun­gen:

    1. ich kann selbst­ver­ständ­lich nur den Spen­dern über Pay­Pal oder jenen, die über Email meine Bank­ver­bin­dung erfragt haben, einen nächs­ten Band vorab zur Ver­fü­gung stel­len. Die Käu­fer auf Ama­zon kenne ich selbst­ver­ständ­lich nicht, da Ama­zon mir deren Daten nicht wei­ter­gibt – das wäre auch ein ekla­tan­ter Daten­schutz­ver­stoß.

    2. A. Peter hat dan­kens­wer­ter­weise wie ange­kün­digt im eRe­a­der-Forum noch­mals auf das Pro­jekt hin­ge­wie­sen.
    Bei der Anmer­kung eines Foren­teil­neh­mers, „dass es beim ‚Hum­ble Indy Bundle‘ auch klappt“, kann ich mir aller­dings nur an den Kopf fas­sen. Da wird ernst­haft ein deutsch­spra­chi­ges eBook-Pro­jekt mit einem inter­na­tio­na­len Spie­le­down­load-Ange­bot ver­gli­chen und dar­aus dann die Aus­sage abge­lei­tet „bei denen klappt es doch auch“. Dazu fällt mir ehr­lich gesagt nichts mehr sein …

    3. die im Thread genann­ten Ein­nah­men über Ama­zon sind fal­sch. Bis zum 31.12.2012 blie­ben vom Ver­kaufs­preis 2,07 Euro vor Umsatz­steuer übrig, es wur­den also gerade mal ca. 40 Euro erlöst (die aller­dings erst in ca. drei Mona­ten von Ama­zon aus­ge­schüt­tet wer­den). Die Erlöse über Pay­Pal sind kor­rekt geschätzt, es han­delt sich um ca. 60 Euro.

  5. Oben ist die Thre­ad­länge wohl aus­ge­schöpft, da ist kein Ant­wort-But­ton mehr. Daher hier nur noch kurz die Ergän­zung, dass ich es so dachte, dass man natür­lich auch 0 bzw. „Danke, ich möchte nicht spen­den“ ankli­cken kann.

  6. Harald Geyer sagt:

    Hallo!

    Ich finde es wich­tig, dass sol­che Erfah­run­gen ver­öf­fent­licht (Dank an den Pro­fes­sor, für das Bekannt­ge­ben der Sta­tis­ti­ken) und dis­ku­tiert wer­den. Inso­fern will ich jetzt auch gerne noch meine Mei­nung dazu sagen…

    Ich sollte vor­aus­schi­cken, dass ich etwas über­rascht bin, dass der finan­zi­el­len Seite doch ein recht hoher Stel­len­wert bei­ge­mes­sen wird. Ich selbst bin seit ca. 10 Jah­ren recht aktiv was Ent­wick­lung freier Soft­ware betrifft.
    (Etli­che Stun­den / Woche) und hab‘ dafür noch kei­nen Cent bekom­men — obwohl es bei machen Pro­jek­ten durch­aus die Mög­lich­keit zu spen­den gäbe. Mich stört das nicht, also offen­sicht­lich hab‘ ich da ein­fach einen ande­ren Zugang. Das bitte beim Lesen des Fol­gen­den im Hin­ter­kopf behal­ten.

    ad Downloadzahlen/Reichweite
    Ich glaube nicht, dass mehr Exem­plare in Umlauf sind, als direkt von der Web­site gela­den wur­den. Warum? Weil es ein­fa­cher ist, den Link her­um­zu­schi­cken als das ganze E-Book (weil wel­che Vari­ante will der Emp­fän­ger denn am liebs­ten?). Außer­dem hab‘ ich bewusst über­all, die Web­site ver­linkt und nicht die E-Books, eben damit die Leute die Spen­den­but­tons sehen… Wei­ters wäre es inter­es­sant, nicht nur die Down­load­zah­len zu ken­nen, son­dern auch die uni­que IPs: Ich selbst habe näm­lich z.B. gleich alle Vari­an­ten (sogar über mind. 2 IPs) her­un­ter­ge­la­den, weil mich auch die tech­ni­schen Aspekte der E-Book Pro­duk­tion inter­es­siert haben. Gele­sen hab‘ ich erst 4 der 10 Geschich­ten — es gibt ein­fach sonst zu viel zu tun.

    ad woan­ders klappt das bes­ser
    Würde mich inter­es­sie­ren, ob’s dazu irgend­wel­che kon­kre­ten Daten gibt. Was mir dazu ein­fällt: Cory Doc­to­row hat ca. 10 Jahre gebraucht, bis er von sei­ner Lite­ra­tur leben konnte. Und der ist wirk­lich in der Kate­go­rie: sehr erfolg­reich — das schaf­fen sicher nicht alle die unter CC ver­öf­fent­li­chen. (Und die, die nicht unter CC ver­öf­fent­li­chen meist auch nicht.) Der Ver­gleich mit Soft­ware hinkt noch mehr: Wirk­lich Geld haben eigent­lich nur die gro­ßen wie Debian, und das auch zum Groß­teil von kom­mer­zi­el­len Fir­men als Spen­dern. Und selbst dort wird von den Spen­den­gel­dern nor­ma­ler­weise keine Ent­wick­lungs­ar­beits­zeit bezahlt. Gibt es über­haupt ein Pro­jekt, dass es sich leis­ten kann, die Ent­wick­lungs­ar­beit aus Spen­den zu bezah­len?

    ad Wie mißt man den Erfolg eines Pro­jekts? Wann ist es geschei­tert?
    Ich hatte eigent­lich erwar­tet, dass der Haupt­um­satz über ama­zon gemacht wird und die ande­ren Ver­brei­tungs­ka­näle mehr zum Schutz der Frei­heit sind, als um Geld zu machen. Inso­fern bin ich posi­tiv über­rascht, dass anschei­nend mehr als 50% über die ande­ren Kanäle zusam­men ein­ge­nom­men wurde. Wobei ich auch erwarte (die Zukunft möge mich wider­le­gen), dass die Spen­den­rate recht schnell zurück­ge­hen wird, wäh­rend der Absatz über ama­zon län­ger funk­tio­nie­ren wird — also wahr­schein­lich wird das lang­fris­tig doch noch ein­tre­ten, dass ama­zon die Ein­nah­men domi­niert. In jedem Fall halte ich zwei Monate für zu kurz, um den Erfolg zu beur­tei­len. Und ich hätte eigent­lich nicht erwar­tet, dass mit den Spen­den für ein ein­zi­ges E-Book ein gan­zen Web­hos­ting gezahlt wer­den kann oder soll.

    Aus ganz per­sön­li­cher Sicht kann ich anmer­ken, dass dies eine der weni­gen Sei­ten, die letz­tes Jahr online gegan­gen sind, ist, die ich regel­mä­ßig lese und die wei­tere Ent­wick­lung ver­folge bzw. nach dem Lesen jeder Geschichte Kor­rek­tur­vor­schläge poste. Andern scheint es ähn­lich zu gehen. Ich denke, diese Art von Auf­merk­sam­keit zu lukrie­ren, ist schon ein Erfolg für sich. Aber bis wirk­lich eine Com­mu­nity um die­ses Pro­jekt ent­steht, ist es bestimmt noch ein wei­ter Weg.

    ad Geiz ist geil
    Warum inter­es­sie­ren mich freie Texte? Natür­lich schon auch weil sie frei sind, aber das hat nicht unbe­dingt was mit Geld bzw. Geiz zu tun … Ich mag‘ Geschich­ten lesen, die aus Spaß, Über­zeu­gung, Begeis­te­rung, etc. ent­stan­den sind und nicht um Geld zu machen. Meist ist die Qua­li­tät bei sol­chen Tex­ten viel bes­ser bzw. wie Ursula K. Le Guin (Pla­net der Habe­nichtse) so schön gesagt hat: Eigene Initia­tive ist ein viel bes­se­rer Moti­va­ti­ons­fak­tor als Geld.
    Das soll jetzt nicht hei­ßen, dass ich es schädlich/schlecht finde, Spen­den zu sam­meln. Nur dass ich dar­auf nicht zu viel Auf­merk­sam­keit ver­schwen­den würde. Ich finde Spen­den als Feed­back­me­cha­nis­mus sogar sehr wich­tig.

    ad Diese Art von Ver­gü­tung ist noch zu neu für die Leser.
    Für die Pro­du­zen­ten u.U. auch. Jeden­falls wun­der ich mich schon sehr über die mehr oder weni­ger krampf­haf­ten Ver­su­che, den Spen­dern jetzt im nach­hin­ein als Dank etwas extra zu bie­ten, damit sie sich von den ande­ren abheben/einen Bonus haben. Das ist nicht das, was ich mir unter eine „Spende“ vor­stelle.

    ad Vor­ab­ver­sio­nen für einen klei­nen Kreis
    Ich find‘ das eine gute Idee, die Bücher schon deut­lich vor Ver­öf­fent­li­chung einem Kreis an Men­schen, die sich darum ver­dient gemacht haben (Spen­der, aber auch Auto­ren, etc.), zugäng­lich zu machen. Schon allein, um mehr Kor­rek­tu­ren vor der Ver­öf­fent­li­chung zu sam­meln, aber noch mehr, um eine par­ti­zi­pa­tive Com­mu­nity auf­zu­bauen. Ob das ganze als Geschäfts­mo­dell taugt, bezweifle ich eher: Ich würde des­we­gen jeden­falls nicht mehr spen­den.

    ad Spen­den­tech­ni­sches
    Für mich kämen als Bezahl­ka­näle Bit­coin und Bank­über­wei­sung in Frage. Wenn ich sel­ber bit­co­ins (aus Spen­den) hätte, dann hätte ich die wohl schon irgend­wie auf­ge­teilt und die­ses Pro­jekt hätte auch was davon bekom­men. Für eine Bank­über­wei­sung warte ich dann doch, bis ich mit dem Lesen von zumin­dest dem ers­ten Band fer­tig bin. Even­tu­ell sogar bis noch mehr bei­sam­men ist und der Auf­wand Sinn hat. Wenn ich etwas Spende, dann jeden­falls min­des­tens genau­so­sehr für die Mög­lich­keit diese Dis­kus­sion hier zu füh­ren und dafür, dass die Wirt­schafts­da­ten unse­res klei­nen Steam­p­un­k­uni­ver­sums ver­öf­fent­licht wer­den, wie für die Geschich­ten selbst!

    ad Expe­ri­mente — wie kann es wei­ter­ge­hen?
    Ich finde die Idee, das man­che E-Books hier nur gegen Bezah­lung ver­füg­bar sein könn­ten, inter­es­sant. Nicht weil ich glaube, dass das bes­ser funk­tio­nie­ren würde, son­dern weil ich selbst neu­gie­rig bin was pas­siert. Wer­den die mehr/weniger her­un­ter­ge­la­den? Machen die mehr Umsatz? Wird für die „freien“ Bücher mehr gespen­det, wenn bei den ande­ren ein Preis — sozu­sa­gen als Richt­wert — dabei steht? …

    Es gibt ja schon ver­schie­dene Geschäfts­mo­delle mit gemischt kos­ten­be­haf­te­ten und kos­ten­lo­sen Down­loads. Etwa immer nur die neu­es­ten Texte nicht kos­ten­los, sodass die älte­ren dann sozu­sa­gen „Wer­bung“ für das neu­este E-Book sind.

    Resü­mee
    Ich denke, es ist noch zu früh, um irgend­ei­nen Teil des Expe­ri­ments als erfolgreich/gescheitert zu betrach­ten. Inter­es­sant wird, ob das nächste E-Book mehr Spen­den bekommt, weil alles schon bekann­ter ist, oder weni­ger, weil alles schon weni­ger neu ist und damit weni­ger Auf­merk­sam­keit bekommt. Inter­es­sant wird, ob die Ver­öf­fent­li­chung eines wei­te­ren Ban­des zu neuem Inter­esse und mehr Spen­den für den alten Band führt. Inter­es­sant wird, wie sich die Spen­den­ein­nah­men über einen lan­gen Zeit­raum (meh­rere Jahre) ent­wi­ckeln wer­den. Inter­es­sant wird, ob bei spä­te­ren Aus­schrei­bun­gen mehr Auto­ren teil­neh­men wer­den und ob irgend­wann eine stren­gere Aus­wahl sei­tens des Her­aus­ge­bers not­wen­dig wer­den wird.

    Ich hoffe, all diese Dinge hier irgend­wann nach­le­sen zu kön­nen. Ansons­ten rate ich allen Betei­lig­ten, das Pro­jekt mit einem Tempo vor­an­zu­trei­ben, dass sie es mit Freude tun kön­nen und nicht mit dem Spen­den­coun­ter im Hin­ter­kopf.

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